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Klingt kompliziert ist es aber nicht. Ein „Forwarddarlehen“ ist ein ganz normales Tilgungsdarlehen was mit einer bestimmten Vorlaufzeit (max. 5 Jahre) abgeschlossen werden kann.

Wer sich jetzt eine günstige Anschlussfinanzierung sichern will, gewinnt Planungssicherheit für die Fortführung seiner Immobilienfinanzierung. Diese Zinssicherheit wird mit einem laufzeitabhängigen Aufschlag „erkauft“.

Grundsätzlich gilt: Je länger die Vorlaufzeit desto höher der Zinsaufschlag, wobei die finale Zinskondition von weiteren Faktoren abhängt:

z.B. wie ist der aktuelle Beleihungsauslauf?

Hat sich der Wert des Beleihungsobjektes verbessert?

Oder möglicherweise verschlechtert?

Wurde das Darlehen bisher vertragskonform bedient?

Holen Sie sich Vergleichsangebote ein

Regelmäßig stellt man in der täglichen Beratungspraxis fest, dass die aktuellen Darlehensgläubiger ein deutlich schlechteres Angebot für die Anschlussfinanzierungen unterbreiten als „fremde“ Anbieter. Woran mag das liegen, werden Sie sich zu Recht fragen? Als „Inhaber“ der erstrangigen Grundpfandrechte kalkulieren diese mit einem hohen „Bequemlichkeitsfaktor“ der Darlehensnehmer und „warnen“ noch dazu mit horrenden Umschreibgebühren, die durch Abtretung bzw. Löschung und Neubestellung der Grundschulden entstehen. Richtig rechnen lohnt sich! Lassen Sie sich dadurch diese „Warnungen“ nicht davon abhalten mehrere Vergleichsangebote einzuholen.

„Echte“ vs. „unechte“ Forwarddarlehen

Achten Sie vor allem bei der Einholung von Prolongationsangeboten auf die sogenannten „echten“ bzw. „unechten“ Forwarddarlehen:

Ein „echtes“ Forwarddarlehen beginnt mit der Auszahlung und endet nach der vertraglich vereinbarten Zinsfestschreibung, während ein „unechtes“ Forwarddarlehen bereits mit dem Vertragsabschluss zu laufen beginnt:

Beispiel:

Ihre jetzige Finanzierung endet am 30.09.2023

Ein „unechtes“ Forwarddarlehen hätte eine Vorlaufzeit von 24 Monaten und endet bereits am 30.09.2030, während ein echtes Forwarddarlehen frühestens am 01.10.2023 zu laufen beginnt und demzufolge am 30.09.2033 endet, sofern eine 10 jährige Zinsbindung gewählt wurde.

Restrisiko des Forwarddarlehens

Sinnvoll ist der Abschluss eines Forwarddarlehen immer dann wenn davon auszugehen ist, daß die Kapitalmarktsituation am Ende des Zinsbindung ungünstiger sprich teurer ist als aktuell. Ein gewisses Risiko besteht dennoch, daß sich die Märkte anders entwickeln als „vorhergesehen“. Der Abschluß eines Forwarddarlehens hat nämlich verbindlichen Charakter. D.h. Sie sind zur Abnahme des Kredites verpflichtet, auch wenn ggf. der Marktzins günstiger ist als der Forwardzins. In diesem Fall hätten Sie „Pech“ gehabt.

Lehnen Sie als Vertragspartner die Annahme eines Forwarddarlehen ab so tragen Sie auch noch wirtschaftliche Risiko in Form der „Nichtabnahmeentschädigung“. Diese kann je nach Kapitalmarktlage „empfindlich“ hoch ausfallen.

Je kürzer die „Wartezeit“ bis zum Ende Ihrer Zinsfestschreibung, umso besser die Planbarkeit.  Für eine „Forwardzeit“ von 60 Monaten braucht es schon mehr als einen kühnen Blick in die Glaskugel!

Foto von Andrea Piacquadio von Pexels